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Lotus Esprit S4s
Kapitel I
Zahlen & Fakten
Entwicklungsgeschichte und Produktionsverlauf

Der Lotus Esprit S4s wurde gegen Ende des Jahres 1994 als Sportversion des S4 auf der "British Motor Show" vorgestellt. Er gilt als der ausgewogenste und zuverlässigste Esprit überhaupt. Wie auch alle anderen Modelle diesen Typs, verfügt er über eine Mischung aus Kasten- und Gitterrohrahmen mit aufgesattelter GfK-Karosserie. So wurde das Fahrzeug relativ leicht und es konnte zudem ein niedriger Schwerpunkt erreicht werden. Auch der Motor des S4s wurde bei Lotus selbst entwickelt und nicht wie bei einigen anderen Lotus-Modellen von Rover oder Toyota zugekauft. 
  Die Verbesserungen gegenüber dem S4 waren motorseits vergrößerte Einlassventile und Einlasskanäle, ein vergrößerter Turbolader, sowie ein optimiertes Motormanagement. Der Ladedruck stieg auf bis zu 1,0 bar Überdruck. So ist der Drehmomentverlauf deutlich harmonischer und das berühmte Turboloch der Vorgängermodelle kaum noch spürbar. Die Motorleistung erhöhte sich auf 300 bhp (304,4 DIN-PS).
Des weiteren wurde eine verstärkte Kupplung verbaut, um dem gestiegenen Drehmoment gerecht zu werden. Um dem gesteigerten fahrdynamischen Potential des Wagens auch in Sachen Negativbeschleunigung gerecht zu werden, wurde an der Vorderachse eine 4-Kolben Festsattelbremse von Brembo verbaut. Breitere Räder des Typs OZ-Futura, sowie dazu notwendige Kotflügelverbreiterungen fanden Verwendung. Das Chassis wurde verstärkt und der Heckspoiler des Lotus Esprit Sport 300 montiert. Der Tachometer, sowie der Drehzahlmesser wurden
in ihrem Durchmesser vergrößert. Wie auch die anderen Esprit mit Chargecooler verfügt der S4s über eine Luft/Wasser-Ladeluftkühlung. Hierbei leitet das zu kühlende Medium Luft seine durch die Vorverdichtung des Abgasturboladers entstandene Wärme an das Medium Wasser durch einen Wärmetauscher (Chargecooler) ab. Das so erwärmte Wasser wird zu einem hinter dem Frontstoßfänger liegenden Wasserkühler geleitet und so durch den Fahrtwind abgekühlt. Des weiteren verfügt der Wagen über 2 Kraftstofftanks, die sich links und rechts neben dem Motor befinden. Er kann so von der linken oder rechten Seite aus betankt werden.
  Zur Serienausstattung gehörten elektrische Aussenspiegel und Fensterheber, ABS, Lederlenkrad, Leder/Alcantarasitze, Klimaanlage, Servolenkung, 5-Gang Schaltgetriebe, Alarmanlage und eine Zentralverriegelung.


Lotus Esprit S4s vorne links
Klassische Lotus-Farbe: mustard-yellow (Senfgelb)

Lotus Esprit S4s hinten links
Die Froschperspektive offenbart ausreichende Bodenfreiheit

Lotus Esprit S4s hinten
Ganz schön breit: der S4s misst fast 1,90 m



esprit s4s hinten links
Der große Heckflügel verbesserte die Aerodynamik - verschlechterte die Sicht nach hinten aber deutlich

s4s seite
Flacher Keil: Winkel von Frontklappe und Windschutzscheibe
sind fast gleich



Daten 
(Herstellerangaben)
Motor:4-Zylinder Reihenmotor mittig und längs zur Fahrtrichtung eingebaut, zwei  obenliegende Nockenwellen,16-Ventile, Bohrung x Hub: 95 mm x 76 mm, 2174 ccm, Zahnriemensteuerung, elektronische Benzineinspritzung, Turbolader Garrett T3.63 mit 60 mm Verdichter, Luft/Wasser-Ladeluftkühlung
Leistung:224 kW/305 PS bei 7000 U/min
Leistungsgewicht:4,34 kg/PS
Drehmoment:377 Nm bei 3600 U/min
Antriebskonzept:Mittelmotor, Heckantrieb, 5-Gang Schaltgetriebe
Abmessungen:Länge x Breite x Höhe: 4414 mm x 1883 mm x 1150 mm
Tankinhalt:2 x 36,5 Liter
Leergewicht:1325 kg
Bauzeitraum:1994-1997
Stückzahlen:367 Stk.
Mängel, Probleme und Schwachstellen

Wie bereits erwähnt gilt der Esprit S4s als sehr robust und zuverlässig. Jedes Fahrzeug hat jedoch Schwachstellen. Ein Vorteil beim Esprit ist die häufige Verwendung von Gleichteilen verschiedener anderer Hersteller. Dadurch lässt sich das Fahrzeug oftmals kostengünstig instandsetzen.
  Bei allen Esprit mit Chargecooler gibt es Probleme mit dem Impeller- Pumpenrad (Wasserpumpe für den Ladeluftkühlerkreislauf). Dieses löst sich mit der Zeit in seine Bestandteile auf und muss ersetzt werden. Die Folge ist Leistungsverlust aufgrund der erhöhten Ladelufttemperatur.
  Des weiteren sind der Kupplungsnehmerzylinder, sowie der Kupplungsgeberzylinder anfällig für Undichtigkeiten. Sie lassen sich jedoch kostengünstig ersetzen bzw. überholen.  Wenn es im Innenraum nach Kraftstoff riecht, liegt dies meist an der Belüftungsleitung zwischen dem rechten und linken Tank. Diese ist aus einem Kunststoff hergestellt, welches mit der Zeit porös wird und reisst. Da diese Leitung direkt über der Heckscheibe verläuft, dringt der Benzingeruch so leicht in den Fahrgastraum. Aber auch die Stahltanks sind korrosionsanfällig. Probleme gibt es hier insbesondere durch die Verwendung eines saugkräftigen Dämmaterials unter den Tanks, welches eindringendes Wasser besonders lange speichert. Deshalb empfiehlt sich neben der professionellen Versiegelung der Tanks auch diesen Dämmstoff durch einen nicht saugenden zu ersetzen.
  Das Getriebe des Esprit ist ein verstärktes UN1 Getriebe (Renault). Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges 4-Gang Getriebe, welches um einen überhängenden 5. Gang erweitert wurde. Es stößt insbesondere bei leistungsgesteigerten Fahrzeugen an seine Grenzen. Die Hauptwelle bricht bei Überlastung im 5.Gang vor derselbigen Zahnradpaarung. Eine Reparatur ist recht teuer, da das Getriebe dafür zerlegt werden muss. Es gibt aber einige Nachrüstlösungen mit verstärkter Welle oder gleich ein komplett anderes Getriebe, womit das Problem dann auch dauerhaft gelöst ist.
  Wenn sich im Leerlauf ein "patschendes" Geräusch einstellt ist meist eine weitere Schwachstelle des Esprit betroffen: der Abgaskrümmer. Dieser neigt bei fortgeschrittenem Alter zu Rissbildung und muss ersetzt werden. Ein Tausch soll ohne Motorausbau möglich sein, gestaltet sich jedoch schwierig.  Das sogenannte EBPV (Exhaust Back Pressure Valve) dient dem zügigen Aufheizen des Katalysators auf Betriebstemperatur. Dieses setzt sich mit der Zeit fest und muss ebenfalls ersetzt werden. Ein Augenmerk sollte auch auf die Lagerungen der Querlenker gelegt werden. Diese neigen gerade bei sportlich bewegten Fahrzeugen zu Verschleiß. Es empfiehlt sich der Ersatz durch Polyurethan- Fahwerksbuchsen, welche einfacher zu montieren und deutlich langlebiger sind als die Originalteile.
  Gelegentlich werden Esprit S4s mit 2,0 Liter Motor und 243 PS feilgeboten. Diese stammen häufig aus Italien und anderen mit einer Luxusteuer auf Fahrzeuge mit mehr als 2,0 Liter Hubraum behafteten Staaten. Es handelt sich hierbei bis auf den Motor aber um echte S4s. Natürlich rangieren die Preise um etliche Tausender unter denen der  2,2 Liter Versionen. Sollten Zweifel auftreten, ob ein echter S4s Motor verbaut ist, so kann dessen Typbezeichnung auf der rechten Seite abgelesen werden. Diese lautet 910T.

s4s cockpit
Nur für Sportfahrer: die optionalen Schalensitze

s4s motor
Den Chargecooler ziert beim S4s die Aufschrift "Lotus Sport"

Lotus Esprit Frontklappe
Das serienmäßige Reserverad wurde hier durch einen Feuerlöscher ersetzt
Kapitel II
Fahrdynamik
Fahrleistungen
ermittelt von der Zeitschrift auto motor und sport
Höchstgeschwindigkeit:271 km/h
Beschleunigung:0-100 km/h:  4,9 sek
0-140 km/h:  9,1 sek
0-200 km/h: 19,0 sek
Elastizität 80-120 km/h (5.Gang):8,4 sek
Fahrwerk
(Herstellerangaben)
Radaufhängung
vorne / hinten:
Doppelte Dreiecksquerlenker, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator /
Doppelte Querlenker, Schräglenker, Schraubenfedern, Telekopstoßdämpfer
Rad-/Reifenkombination:
vorne / hinten:
235/40ZR17 auf Aluminiumfelge   8,5Jx17H2 /
285/35ZR18 auf Aluminiumfelge 10,0Jx18H2
Bremsen
(Herstellerangaben)
Elektrohydraulischer Bremskraftverstärker, Delco-Moraine-ABS, Bremsscheiben rundum mit Innenbelüftung, Ø vorne/hinten: 296 mm / 300 mm, BREMBO 4-Kolben-Festsattel vorne,
1-Kolben-Faustsattel hinten
Fahrverhalten
(Kurzbetrachtung)
Die fahrdynamische Betrachtung offenbart ein sportlich straffes Fahrwerk, das genügend Restkomfort bietet um auch längere Etappen bequem zurückzulegen, aber dennoch auch Rennstreckenbesuche zulässt. Durch die tiefe Sitzposition in Verbindung mit der flachen Frontscheibe wird das Gefühl vermittelt in einem Rennwagen zu sitzen. Die Servolenkung bietet hervorragende Rückmeldung von der Straße und verfügt über eine recht kurze Übersetzung. Aufgrund des Mittelmotorkonzepts ist der Wagen sehr gut ausbalanciert und ermöglicht hohe Kurvengeschwindigkeiten. Typisch für einen Mittelmotorsportwagen ist der Grenzbereich aber recht schmal. Bei verlassen des selbigen, macht sich der Übergang von Haft- zu Gleitreibung zuerst durch eine übersteuernde Hinterachse bemerkbar. Die optionalen Sportsitze bieten hervorragenden Seitenhalt. Einziges Manko an diesen ist jedoch die Lordosestütze. Diese befindet sich für den mitteleuropäischen Durchschnittsmenschen zu hoch und drückt auf längeren Etappen deutlich.
Einen weiteren Minuspunkt muss sich der Lotus Esprit S4s ankreiden lassen: das ABS. Dieses regelt auf nicht ganz ebenen Untergründen mitunter willkürlich den Bremsdruck zurück und sorgt so für gefährlich lange Bremswege.
Fazit und Kaufberatung
Der Esprit S4s ist aufgrund seiner geringen Produktionszahlen sehr selten auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu finden. Die wirklich guten Exemplare sind in Sammlerhand oder werden von auf Lotus-Fahrzeuge spezialisierten Händlern weitervermittelt. Eine Wertsteigerung des Wagens ist in jedem Falle zu erwarten, setzt aber einen guten Wartungs- und Pflegezustand voraus. Wer also einen auffälligen, schnellen und relativ pflegeleichten Sportwagen sucht, der sollte eine Kaufgelegenheit nicht verstreichen lassen.

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